Schutz – Erholung – Erziehung

Der kleinste Naturgarten der Welt, von Helga Riepl

Der kleinste Naturgarten der Welt befindet sich in einem Blumentopf auf der Fensterbank.
Das ist die kleinste Einheit eines Naturgartens.
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Außerdem bedenke man, dass eine Handvoll Gartenerde mehr Lebewesen beherbergt, als Menschen auf der Erde sind.
Zum Anlegen eines solchen Naturgartens würde es ausreichen, einen Topf mit Erde zu füllen, ein bis zweimal in der Woche zu gießen (wenn der Topf in der Sonne steht, jeden Tag gießen) und abzuwarten. Es würde sich nach einiger Zeit diverse „Unkräuter“ zeigen, welche für Kleinlebewesen je nach Pflanzenart Nahrung, Unterschlupf oder Brutstätte wäre. Zum Beispiel bietet eine Brennnessel bis zu 70 Insektenarten einen Lebensraum.

Wem dieser „Natur pur“ – Vorschlag zu fundamentalistisch ist, dann gibt es eine Hilfe indem er seine Lieblingspflanzen in diesen Topf setzt. Allerdings wäre da noch zu beachten:

Große Pflanzen brauchen große Töpfe, Sonnenhungrige wollen wirklich Sonne aber gleichzeitig gegossen werden. Schattenpflanzen wollen keine direkte Sonne, sie gedeihen aber auch nicht im Dunkeln (außer eine Pilzkultur).

Sie sehen, für einen Naturgarten im Blumentopf braucht man schon ein bescheidenes Fachwissen, oder man arbeitet mit Versuch und Irtum und eignet sich so mit der Zeit praktisches „Know-how“ an.

Mini-Naturgarten-1-von-Helga-RieplIn weiterer Folge geht es dann ebenso nicht ganz ohne gärtnerischen Zutun: Das Gießen wird zur regelmäßigen Tätigkeit, und will man so einen Topf über den Winter bringen, wären die Pflanzen für etwas Winterschutz rund um den Topf dankbar, – oder man ist im nächsten Frühling mit einer Wildkraut-Überraschung zufrieden.

Im Folgenden ein paar Beispiele zum Nachmachen, bzw. als Anregung für eigene Ideen.

Der Topf für den sonnigen Standort und Natur-Beobachter: Krokus, Scharfer Mauerpfeffer, Hauswurz, Stein
Der Krokus ist einer der ersten Frühlingsboten, für die wieder aktiven Insekten, der Nektar eine willkommene Nascherei und für uns Menschen eine bunte Erfrischung für die Seele nach den grauen Wintertagen. Der Scharfe Mauerpfeffer beginnt im Frühsommer zu blühen, seine gelben Blüten werden den Sommer hindurch von Biene & Co bevölkert. Etwas später im Jahr beginnen die 3 bis 4 jährigen Hauswurzpflanzen zu blühen, auch sie werden von Hummel und Schmetterlingen besucht. Der Samenstand bietet schließlich dann für den Marienkäfer oder andere Krabbler ein ideales Winterquartier. Steine auf der freien Fläche schützen vor Austrocknung, gleichzeitig finden Bodentiere einen geeigneten Rückzugsort.

Der Topf für heilkundige Naturfreunde und halbschattige Plätze: Gänseblümchen, Knoblauch, Gundelrebe, Steine
Das Gänseblümchen streckt, sobald der Schnee geschmolzen ist, die ersten Blüten gegen die Sonne und blüht dann die ganze Vegetationsperiode hindurch. Dieses unscheinbare Blümchen erfreut nicht nur das Herz von Naturliebhabern, es ist auch eines der wichtigsten Heilkräuter der Volksmedizin. Ebenso beliebt war die Gundelrebe, als Küchenkräutlein findet sie heute noch Verwendung. Ihre langen Ranken mit den kleinen violett-blauen Blüten werden neuerdings sogar als Balkonpflanze angepriesen. Natürlich bekommen das Gänseblümchen und die Gundelrebe immer wieder Besuch von allerlei Bienen, Hummeln und Schmetterlingen. Der Knoblauch hat zwar keinen Insektenbesuch, er wirkt für den Menschen, die Pflanzen und den Boden durch seine Heil – und Würzeigenschaften. Im Blumentopf werden eher die Blätter verwendet als die „Zehen“ darunter. Schließlich decken auch hier die Steine die Erde ab, damit das Bodenleben geschützt wird.

Der Topf für kulinarische Freude und den halbschattigen Standort: Monatserdbeere, Scharbockskraut, Knoblauch, Steine
Das Scharbockskraut war früher eines der wichtigsten Vitamin C-Lieferanten, es wurde daher auch „Skorbut-Kraut“ genannt. Allerdings wirkt das Kräutlein in größeren Mengen schwach giftig, besonders dann, wenn die gelben Blüten erscheinen. Über Sommer zieht es dann die Blätter vollständig ein, es verbleiben nur die Brutknollen im Boden. Nun kann sich die Erdbeere im Topf gut ausbreiten, und ein paar Früchte tragen, nachdem einige Insekten ihre Blüten zuvor besucht haben. Der Knoblauch schützt die Erdbeere vor Pilzerkrankungen, für die Küche können die Blätter als Würze verwendet werden. Auch in diesem Topf besteht die Mulchschicht aus ein paar Steinen.

Viel Freude mit Ihren zukünftigen Mini – Naturgärten wünscht Ihnen Helga

Helga Riepl, wohnt in Maria Saal, Tel: 04223 34 61. Ihre „Naturgartenpraxiskurse“ auf in der Volkshochschule Klagenfurt und St. Veit, welche nach verschiedensten Modulen eingeteilt sind, werden sehr gerne besucht.

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