Schutz – Erholung – Erziehung

Naturgarten und Eigen(g)arten, von Gudrun Kargl

Es ist Morgen. Ich wache auf, höre durch das offene Fenster die Vögel zwitschern, rieche den Sommer. Schnell husche ich aus dem Bett und schon bin ich bei der Haustüre draußen, in meinem Garten. Ich atme durch. Wie gut die Luft tut. Tiefe Dankbarkeit macht sich in mir breit.

Gudrun-KarglGudrun Kargl,
ein Mensch entfaltet seine größte Kraft, wenn er seiner Bestimmung folgt. Seiner Bestimmung zu folgen, heißt auf sein Herz zu hören und um sein Herz zu hören, braucht es Stille, Mut, Humor und Liebe. Das Leben ist ein Abenteuer zum Selbst.

Die Künstlerin Gudrun Kargl hat dies aus eigener Kraft geschafft und lebt in Vielfalt im Einklang. Diesen Beitrag mit allen dazugehörigen Fotos, kann man auf der Homepage von Gudrun  www.gudrunkargl.at nachsehen.  Ein Besuch in ihrer Galerie ist eine Inspriationsquelle und ein Streifzug durch ihr künstlerisches Schaffen im Einklang der Natur. 9872 Millstatt am See,  Kleindromba 10,. Öffnungszeiten: MI von 17.00 bis 20.00 UHr oder Tel. Voranmeldung unter ++43(0)4766/37220

Am Himmel ziehen nur ein paar Flieger ihre Spuren. Wie lange noch? Mir sind die Vögel lieber. Meine Katze ist auch schon wach. Sie kommt voll Freude auf mich zu, schmiegt sich um meine Beine. Legt sich hin. Lässt sich streicheln. Jetzt wird es aber Zeit für meine morgendliche Gartenrunde.

Ich ziehe meine Schuhe aus und begebe mich nun barfuß auf Entdeckungsreise. Ich erfreue mich an den Blumen, Sträuchern, Bäumen. Rede ihnen gut zu. Bedanke mich. Ich habe das Gefühl, als wäre ich Eins mit der Natur. Ja, es ist so. Ich bin ein Teil von ihr. Was brauche ich mehr zum Leben?

Apfelblüte-von-Gudrun-KarglAlles andere ist wahrlich Luxus. Auch angenehm, aber nicht lebensnotwendig. Aber hätte ich keinen Garten, keine Natur mehr um mich, dann würde ich wohl krank werden und zugrunde gehen. Deshalb pflege ich meinen Garten, diese Stück Erde, welches mir anvertraut wurde, mit viel Liebe und ohne Chemikalien.

Mein Garten ist ein „Eigen(g)arten, ist ein Naturgarten. Hier darf fast alles so wachsen wie es will. Ich empfinde mich als die Hüterin meines Gartens. Er gehört mir nicht. Er ist eine Leihgabe des Lebens.

Am Ende meiner Morgenrunde umarme ich unseren großen, alten Lindenbaum. Von uns auch liebevoll „Rosalinde“ genannt. Ich spüre die Wurzeln aus meinen Fußsohlen wachsen, verbinde mit dem Herzen der Erde und der Weite des Himmels. Welch eine Gnade.

Von meinen morgendlichen Gartenstreifzug bringe ich Gänseblümchen, Himbeeren, Heidelbeeren, Zitronenmelisse, Kapuzinerkresse und andere Köstlichkeiten mit in die Küche und bereite für meine Lieben und mich ein gesundes Frühstück zu. So ein Segen. Dank, liebe Natur!

Gefrühstückt wird im Garten. Wo sonst. Mittlerweile scheint die Sonne und die ersten Bienen machen sich an die Arbeit. Diese wunderbaren Tiere. Wie lange werden wir sie noch bewundern dürfen? Sie sterben. Das macht mich nachdenklich und traurig. Sie sterben wegen uns Menschen, wegen unserer Rücksichtslosigkeit…

Ich kenne auch viele andere Gärten. Es ist in Mode einen Herzeigegarten zu haben. Schön perfekt, schön groß und schön brav. Je unnatürlicher, desto besser. Wie langweilig und doch so menschlich. Wenn ich manchmal einen Garten mit chemiegrünem Rasen sehe, in dem ein lautloser Rasenmähroboter herumfährt, dann muss ich schmunzeln, ja lachen – lautstark lachen – nein, weinen.

Doch was geht es mich an? Kehr vor deiner eigenen Tür und schau das bei dir daheim alles passt, sage ich dann zu mir selber. Ja aber, schreiben wird man darüber wohl noch dürfen, oder?

Spiegeln solche Gärten doch den Wunsch des Menschen wieder, die Natur zu beherrschen, sie sich Untertan zu machen und zu besitzen. Dies ist jedoch eine gefährliche Illusion. Die Natur ist kein seelenloses Etwas. Aber auch das werden wir noch lernen. Wir werden es fühlen, am eigenen Leib.

Wie im Kleinen, so im Großen. Ich kann die Welt nicht verändern. Oder doch? Selbst die Veränderung für diese Welt sein, die man sich wünscht. Das nehme ich mir zu Herzen. Und wenn sich wie bei einem Uhrwerk viele Rädchen ineinander greifen, dann bewegt sich was…

Meine Gedanken tragen mich wieder in meinen Garten. Mein Garten ist dazu da um mich und meine Familie mit seinen Früchten zu versorgen, uns zu ernähren. Dabei schätze ich ganz besonders die Wildkräuter wie z.B. Löwenzahn, Gundelrebe, Giersch…

Das Mittagessen wartet. D.h. zuvor muss es noch gekocht werden. Was gibt es heute? Ich gehe in den Garten und schau mal nach, was geerntet werden will. Heute gibt es einen Wildkräutersalat, eine Gemüsesuppe, selbst gebackenes Brot und als Nachspeise frische Himbeeren. Ich habe ja meinen Garten auch noch nicht so lange. Erst seit ein paar Jahren. Ich bin drauf gekommen, daß alles seine Zeit und seinen Platz braucht. Da darf man schon ein bisschen herumexperimentieren.

Ich frage auch gerne meine Mutter, wenn ich etwas nicht weiß. Sie hat mir die Liebe zum Garten uns seine Bedeutung vorgelebt und vererbt. Ein DANKE an dieser Stelle. Auch ich möchte meiner Tochter ein Vorbild sein und in ihr Herz den Samen für die Liebe zur Natur legen. Sie soll wissen, daß unsere wirkliche Nahrung aus der Natur kommt und nicht im Supermarkt oder Labor hergestellt wird.

Ich weiß noch wie es sich angefühlt hat, das erste Menü mit sämtlichen Zutaten aus meinem Garten. Es war ein herrliches, zufriedenes und auch stolzes Gefühl. Das ruft nach mehr und Wiederholung. Weil ich es mir wert bin. Ja natürlich, hat das auch seinen Preis. Ich kann halt nicht auf den Schicki Micki Parties antanzen, ständig auf Reisen sein, stundenlang am Computer herum eiern und alle möglichen Netzwerke pflegen…

Das ist ein Preis, den ich gerne zahle. Dafür verbringe ich Stunden im Garten, lade gerne mal Gäste zu einem „Gute Laune Kaffe“ ein, mache Phantasiereisen, rede mit meinen Pflanzen, bin für meine Familie und Freunde da.

Mein Garten inspiriert mich. Er ist nicht perfekt. Gott sei Dank. Ich erfreue mich an seiner Schönheit. Er gibt mir Kraft, erfüllt mich mit Dankbarkeit, Demut und Liebe. Er katapultiert mich ins JETZT und lässt mich Zeit und Raum vergessen.

ICH BIN im Garten

In meinem Garten finden auch viele Gespräche statt. Gerade im Sommer sitzen wir mit unseren Gästen und Galeriebesuchern gerne unter der großen Linde und philosophieren über dies und das. Wir lachen auch viel und wie herrlich schmeckt ein selbst gebackener Kuchen im Schatten eines großen Baumes…

Ich weiß nicht, wie oft ich im Laufe eines Tages um´s Haus und in den Garten geh. Sehr oft. Immer entdecke ich dabei etwas Neues und erlebe ständige Veränderungen. Freue mich über diese Veränderungen. Erlebe sie wie kleine Wunder. Manche Veränderungen gefallen mir nicht so. Wenn z.B. diese nackten Schnecken (man sollte ihnen etwas zum Anziehen geben) über meinen Salat hergefallen sind…Das ärgert mich. Doch was soll´s…

Wie sieht es im Leben mit Veränderungen aus? Gleich wie im Garten. Sie passieren. Wir dürfen uns nicht dagegen wehren. Sonst verhindern wir unser Wachstum, können nicht reifen. Veränderungen zulassen. Zulassen ist wohl ein sehr widersprüchliches Wort in diesem Zusammenhang. Wenn wir keine Veränderungen zulassen, verwehren wir uns dem natürlichen Wachstum des Lebens unserer Entwicklung. Sich gegen etwas zu wehren kostet Kraft und Energie. Diese Energie fehlt uns dann in anderen Bereichen unseres Lebens.

Und weil wir gerade beim Thema Energie sind. Die Energie für meine Arbeit, meine Kunst empfange ich ebenfalls aus der Natur. Die besten Ideen und Einfälle haben ich im Garten, im Wald, auf dem Berg… Gleichzeitig wird mir auch die Kraft geschenkt, die erhaltenen Ideen umzusetzen. Sonst bleibt es ja nur beim Träumen und da wäre schade.

Die Natur ist eine Meisterin ihres Fachs, eine Künstlerin. Natur und Kunst sind für mich persönlich unzertrennbar und bedingen einander.

Im Garten mache ich meine Meditationen. Indem ich im Garten arbeite, begebe ich mich in einem meditativen Zustand. Ich merke sofort, wenn sich mein Bewusstseinszustand ändert. Das ist nur noch Leichtigkeit und Sein. Wenn mir dann noch der Duft von Rosen und Lavendel um die Nase wehr, ist das Glücksgefühl nicht mehr zu stoppen.

Geht man mit einer feinfühligen Seele und dem Wunsch, das Unsichtbare in der Natur zu sehen, durchs Leben, dann zeigen sich auch Zwerge, Elfen, Kobolde, Pflanzenseelen… Die Hüter des Pflanzenreichs und der Erde. Sie zeigen sich nur den kleinen und großen Kindern unter uns, die noch an Wunder glauben.

Auch am Abend hat mein Garten seinen Reiz. Ich genieße die letzten Sonnenstrahlen, lausche den Grillen und fühle mich Eins mit der Natur. Voll Dankbarkeit, daß ich dies alles schauen, fühlen und erleben darf, geh ich schlafen in der Hoffnung, daß ich morgen wieder das Wunder dieser Erde erleben darf.

Das fühlt Eure

Gudrun

1 Kommentar zu “Naturgarten und Eigen(g)arten, von Gudrun Kargl”

  1. […] und nun dieses Buch. Deses Wissen über Energie zu erfahren ist ein großes Geschenk. Gudrun Kargl hat es mir empfohlen – ein herzliches Danke […]

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