Schutz – Erholung – Erziehung

Kärntnerland – Naturgartenland Teil 2

Dieser Sommer 2010 hat es in sich. Im Mai, Juni Regen und Kalt, im Juli – Schönwetter und Heiß, der August wird jetzt wiederum von vielen als Kalt empfunden. Ich denke aber, dass im August immer schon die ersten Herbstvoralnkündigungen kamen und dass dies völlig Normal ist. Das besondere am August ist der Beginn der Wanderzeit und der Beginn der Erntenzeit. Wenn eine Saison gut läft gibt es keine Kritik – wenn „sie“ weniger gut Läuft, häufen sich Tipps, Vorwürfe und Vorschläge.

Mit den Ratschlägen ist das so eine Sache, oft fühlt man sich erschlagen von diesen Ratschlägen. Jener Artikel in der Kleinen Zeitung gefiel mir deshalb aber besonders gut.

Gut deshalb – das was Herr Engl von sich gab hatte „Hand und Fuß“ und ich erinnerte mich an die unglaublich schöne Vielfalt Kärntens welche ich in meinem Buch ; Das Herz von Kärnten – Vom Steinbruch zur Naturgartenvision beschrieb.

Ganz Kärnten ein Garten

Man kommt nicht umhin, von „Kärnten“, diesem Schnittpunkt dreier Kulturkreise zu sprechen, ohne die Kärntner Seele zu erwähnen. Das nach einem Vortrag (gehalten am 15. September 1985 in Keutschach) entstandene Buch „Die Kärntner Seele“ von Erwin Ringel sorgte lange Zeit für Aufregung.

Das Buch wurde zu einem vieldiskutierten Thema, auch wenn hier und da nur mehr darüber geflüstert wird, verstummen wird es nie. Ringel liebte Kärnten, hier ist er 1994 gestorben. Sein ganzes Leben lang sorgte er sich um die Kärntner Natur, auf „dass sie heil bleibe“. Ringel versuchte Getrenntes zusammenzufügen und zitierte Ingeborg Bachmann mit “ Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“.

Aus meiner Sicht wurde die „Kärntner Seele“ durch die Völkerwanderungen und viele zivile Durchreisende bzw. militärische Passanten geprägt. Das hat die Kärntner einerseits freundlich zugewand und anderseits vorsichtig gemacht, um Übergriffe auf Leben, Hab und Gut vorzubeugen.

Viele Wahrheiten sind in Stein geschrieben. Ein solcher Stein als Symbol für die Verständigung ist der Fürstenstein. Es war schon ein besonderes, auch mit Stolz verbundenes Gefühl, als die „Focusfilm“ im März 2006 in der Nähe des Steinbruches eine Szene für eine Fürstenstein-Dokumentation drehte.

Geschichte war auf Einmal fühlbar und ich erkannte gleichzeitig, dass man manchmal zurückschauen muss, um die Wirklichkeit von morgen zu erkennen. Das lehrt uns auch die Natur, sie kommt aus der Vergangenheit und bedeutet für uns Zukunft.

Im Jahr 2007 feierte man „25 Jahre Nationalpark Hohe Tauern“. Viele kritisierten zu Beginn den Kärntner Alleingang, als man ein so großes Gebiet unter Naturschutz stellte. Heute jubeln alles über dieses Erfolgsmodell. Mit dem Naturpark Dobratsch wurde 2oo3 erstmals ein großräumiges Schutzgebiet in einer Kärntner Kulturlandschaft mit dem Prädikat „Naturpark“ ausgezeichnet, um mit schonender Bewirtschaftung regionale Bedeutung zu erzielen.

Kann sich ein Naturgarten in eine so glorreiche und vielfältige Geschichte mitsamt wirtschaftlicher Bedeutung einreihen? Mit Größe wird er nicht punkten, vielleicht aber durch eine große Anzahl.

Kärnten, ein Land der Vielfalt. Ein Schlüssel dazu liegt im Untergrund verborgen, im Boden, genauer gesagt. Der Landesgeologe Richard Bäk meinte 2005 dazu: „Die Vielfalt von Kärnten hat ihre Grundlage in den unterschiedlichen geologischen Verhältnissen des Landes, von den hochalpinen Regionen des penninischen Tauernfester zu den kristallinen Höhenrücken der Nockberge und zu den schroffen Kalkzügen der Karawanken und Gailtaler Alpen, dazwischen die tiegen alpinen Täler und Beckenlandschaften, eine Morphologie, die durch die mächtigen Gletscher der Eiszeit geprägt wurde.
Diese Vielseitigkeit begeisterte mich, so dass mir bei der Arbeit als Geologe in Kärnten für Kärnten nie langweilig wird.“

Anders ausgedrückt, es gibt auf der ganzen Welt wenig Länder, wo auf einer so kleinen Fläche so viele Gesteinsarten zusammentreffen wie in Kärnten. Auch der Kalksteinbruch in Keutschach am See ist ein Teil dieser herrlichen Vielfalt an Gesteinen.

Das abwechslungsreiche und bunte Kärnten hat auch der Komponist Günter Mittergradnegger (1923-1992) gepriesen: „Kärnten ist ein immerwährendes Lesebuch auf unserer kurzen irdischen Reise, nie ausgelesen, weil immer neue Seiten dazukommen, nie sattgesehen, weil stets die bilder sich mehren, ein tönendes Liederbuch von Melodie der Seele! Mit den Füßen wird es nie erwandert, mit den Augen nie vollends gesehen, mit dem Herzen nie ganz erfühlt, mit der Kehle nie ausgesungen – mit allem Gold der Welt nie erkauft!
Im Fünfgesang ergreift es uns: Keine Regung menschlicher Gefühle wird ausgelassen. In den Trachten kommt es uns entgegen, streng, herb, farbig und beschwingt. Im Volkstanz entladen sich die Rhythmen der kultischen Bindung an diese geliebte Erde, die das Leben des Landes im natürlichen und menschlichen Jahresring von Ehrfurcht vor der Schöpfung spiegelt. Im Volkkunstschatz leuchtet zart und sparsam die Innigkeit der Volksseele, im Brauchtum spiegelt es alten Geheimnisse.“

Kärnten gilt als Land der Seen, der tausend Bildstöcke (Marterln) und Naturdenkmäler (meist Bäume). Auch als Land der Naturgärten? Im Laufe des Projektes stieß ich mit dieser Fragestellung immer wieder auf Erlebnisse, die nicht unmittelbar und offensichtlich zusammenhingen, aber im Rückblick durch die intensive Auseinandersetzung mit der Materie die Zusammenhänge klarwerden ließen.

Mit der Idee zur “ Schaffung eines umsetzbaren Naturgartenkonzeptes“ nahmen wir am GRIPS 2006, dem Ideenwettbewerb der Kärntner Landesregierung für nachhaltige Entwicklung der Landregionen, teil. Gewonnen haben wir zwar nicht, aber unsere Vorstellungen waren zumindest Rückfragen wert. Das macht Freude und gab Hoffnung für die Zukunft.

Kärnten, das Land der Unterhaltung – vor schönster Kulisse finden allhährlich Veranstaltungen in den Bereichen Sport und Kultur statt. man denke nur an Beach-Volleyball, Ironmann, GTI – Treffen, Fest der Täler, Altstadtzauber in Klagenfurt und noch vieles mehr.

Kärnten ist aber auch das Land der Verständigung und wird zunehmend zum Land der Kongresse („Congress in Nature“). Als die Privatstiftung Kärntner Sparrkasse unsere Website mit dem Scherpunkt „Naturkommunikation“ ermöglichte, wurde diese Aufgabenstellung ein Fixpunkt unserer Aktivitäten. darum ist die Idee, Raum für Veranstaltungen zu schaffen, mehr und mehr ins Zentrum gerückt.

Im gleichen Jahr, nähmlich 2006, durfte ich, wie schon erwähnt, den deutschen Grünplaner Reinhard Witt und sein Konzept der Naturerlebnisräume kennenlernen. Früher nicht so sehr beachtet, hat sich heute für kleinräumige Naturbesonderheiten eine Vielzahl von Bezeichnungen, Programmen und Zertifizierungen entwickelt. Fachleute bestätigen, dass die Tendenz stark steigend ist, weshalb es, so vermutet man, immer noch keine akuelle gesetzliche Rahmenbedingung für diese Gebiete gibt.

2005 wandte ich mcih mit einem Schreiben an die Landesraumplanung, worin ich um eine Überprüfung der Umsetzungsmöglichkeit für das Naturgartenkonzept bat. Der Natur- und Landschaftsschutz in Österreich fällt in den Zuständigkeitsbereich der Bundesländer. Jedes Bundesland hat ein eigenes Naturschutzgesetz und kann durch Verordnung Schutzgebiete festlegen. Bei internationalen Naturschutzübereinkommen erfolgt das im Einvernehmen zwischen den Bundesländern und dem österreichischen Lebensministerium. Da Kärnten durch den EU-Beitritt eine Vielzahl an Großprojekten bearbeitet, wurde ich um Geduld gebeten.

Diese Zeit nutzte ich, um Bestätigung für meine Behautung zum Thema „Gestaltender Schutz der Natur“ zu suchen und fand sie u.a. im Kärntner Naturschutzbuch 1978. Wie Hans Bach darin unter dem Titel „Bewahrender, pflegender, fördernder und gestaltender Schutz der Natur“ ausführt, muss die „Natur deshalb auch vom Naturschutz gestaltet werden, denn dann erst wird die Forderung an den Naturschutz, nicht nur Arten, sondern auch deren Lebensräume zu schützen, voll erfüllt werden können.“ Als Beispiel wurde eine aufgelassene Sandgrube östlich von Klagenfurt angegeben, wo sich wieder viele Arten ansiedelten, die zu wichtigen ökologischen Keimzellen geworden sind. U.a. spricht Bach in diesem Artikel über den bewahrenden Naturschutz, der „Grundlage jedes Schutzes der Natur sein und bleiben muss, denn alles was man bewahren kann, braucht man nicht erst zu schaffen.“

Auch der Begriff „pflegender Naturschutz“ wurde gut dargelegt und entsprechende Fördermöglichkeiten wurden beschrieben. Von Bedeutung für das Naturgartenkonzept ist Bachs Verständigung von „gestaltenden Naturschutz: „Wenn vom gestaltenden Naturschutz gesprochen wird, dann sind nicht landschaftsgestaltende Maßnahmen in Sinne der Gärten Ludwigs XIV. und seiner Zeit zu verstehen, denn so schön diese Gärten für das Auge waren und sind, sind sie im Haushalt der Natur funktionslos. Bei der Gestaltung im Sinne des Naturschutzes geht es hingegen um die Schaffung neuer Lebensräume, also um Gebilde mit Funktion innerhalb des Naturhaushaltes.“

Der Schutz und die Pflege unserer abwechslungsreichen Landschaft werden die Herausforderungen der Zukunft sein, sind Ziele der EU und dadurch stärker gefördert. Durch die Teilnahme am Busninesswettbewerb 2007 (www.i2b.at) befasste ich michverstärkt mit den geltenden Bestimmungen und bat vor allem das EU-Büro in der Kärntner Landesregierung um Unterstützung. Durch den Druck des Abgabetermins kamen wir allerdings zu keinen zufriedenstellenden Ergebnissen. Trotzdem erzielten wir im Rahmen des Wettbewerbes einen guten Erfolg, wodurch unsere Vision bestätigt wurde, nämlich Kärnten als „Naturgartenland“ zu positionieren.

Es scheint auf alle Fälle lohnend, weiterzumachen und Kärnten – umrahmt von Bergen, gesegnet an Seen – im Gesamten als Garten der Natur vorzustellen. Den „typischen“ Kärntner Naturgarten wird es aber wohl kaum geben, zu verschieden sind die Täler, Seen und Flusslandschaften. Gemeinsam hätten sie aber eines:

den Anspruch, Plätze der Erholung zu sein.

Vielleicht auch eine Möglichkeit, den Begriff Heimat mit Kraft, Ausdauer und Lebensfreude in verbindung zu bringen.

1 Kommentar zu “Kärntnerland – Naturgartenland Teil 2”

  1. […] Kärnten positionierte sich für den Naturgarten Kärnten als Kompetenzzentrum für Naturgärten Schaffung eines umsetzbaren Naturgartenkonzeptes […]

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