Schutz – Erholung – Erziehung

Naturgarten – Interview mit Herrn Rudolf Altersberger, Vizepräsident des Landesschulrates

Vizepräsident-des-Landesschulrates-Rudolf-AltersbergerSehr geehrter Herr Vizepräsident des Landesschulrates, Sie sind bekannt dafür, zu aktuellen schulischen Themen regelmäßig Stellung zu beziehen. 2007 lernte ich Sie mit der Frage „Naturgarten, ein Klassenzimmer“ kennen. Naturräume als Klassenzimmer, immer noch ein Thema für Sie?

Ja, natürlich und ich freue mich, dass ich einen für die Sache so engagierten Mann kennenlernte; denn Natur, Schule und Kinder sind eine Einheit…

…Wir leben eigentlich gegen die Natur. So, als ob wir noch eine als Reserve im Keller hätten: hemmungsloser Verbrauch der Ressourcen, Zerstörung der Natur im Namen des grenzenlosen Wachstums, Klimaerwärmung mit Naturkatastrophen, CO² Ausstoß, Vergiftung des Lebensraumes usw. Ein Wunder, dass wir noch leben!?
Wenn wir nicht in der Schule Kinder für die Natur, den Naturgarten, sensibilisieren, wird es später nicht mehr gelingen. Und davon hängt eigentlich die Zukunft unseres Planeten ab.

Wie interessiert sind Schulkinder und Jugendliche an der Natur? Welche Ativitäten wünschen sich junge Menschen Ihrer Meinung nach?

Sie sind von Haus aus neugierig und spielerisch an der Umgebung interessiert. Tiere, Pflanzen, die Natur, das gilt es zu erkunden, zu erforschen und auch zu schützen. In und mit der Natur lernen, dafür ist eine grundsätzliche Begeisterung vorhanden. Es gibt in der Kindheit besondere und einzigartige „Lernfenster“. In dieser Zeit sind die Kinder offen für alles und wissbegierig. Sie lernen in diesen Phasen spielerisch – aber sehr schnell. Sie wollen und sollen aber auch bereits als Kinder in ihrem Lebensraum Natur mitreden und Verantwortung übernehem. Sie sind es ja, die später darin leben werden.

Sie sahen sich gleich nach unserm letzten Gespräch den Steinbruch an. Was hat Ihnen dort am besten gefallen, bzw. welche Gedanken sind Ihnen gekommen?

Großartiger Anblick. Du gehst ein paar Meter von der Straße weg, einen kurzen steilen verwucherten Waldweg entlang, steigst über vermoderte Wurzeln und plörzlich öffnet sich eine neue Welt: abfallende Steilwände, Natur pur und eine unheimliche Stille, bist allein mit den Stimmen der Natur, staunend wandert der Blick entlang des herzförmigen Steinbruchs. Einfach phänomenal.

Naturgarten, was würden Sie spontan dazu sagen?

Erhalten, schützen, besuchen mit den Schulen und Kindergärten, einbauen in einen naturnahen Unterricht. Touristische Chance, einzigartige Ausflugsziele, ökonomische Nischenplätze.

Bei unserem letzten Gespräch befürworteten Sie eine Regelung des Begriffes „Naturgarten“, damit auf die Schule als Institution bzw. auf die LehrerInnen kein Begriffs-Wirrwarr zukommt. Stehen Sie nach wie vor zu diesem Gedankengang?

Ja, es braucht Qualitätsstandards, um den Begriff verwenden zu können.

Es gibt viele Vorstellungen von Naturräumen als Klassenzimmer. Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Kriterien für einen interessanten Unterricht an einem solchen Freiraum?

Schulen und LehrerInnen sind dafür leicht zu begeistern, die Schulaufsicht solle motivierend hinter dem Projekt Naturgarten und Schule stehen, dann läuft das Werkl von selber.

Freiraum in Ihrer Schulzeit, eine lustige Begegnung?

Mein Schulweg war so ungefähr 3 km lang, aber bergwärts. Die Schule lag oberhalb des Ortes. Vor allem die Heimwege waren Naturkundeunterricht und Abenteuerspielplatz. Für uns gab es lustige Erlebnisse,  für die Eltern weniger: Einbrechen auf einer dünnen Eisdecke und im Wasser versinken; damals fuhren auf den straßen keine Autos, sondern einmal am Tag der Bauer mit dem Traktor, um die Milch zur Sammelstelle zu bringen. Im Winter fuhren wir Schulkinder mit den Schlitten talwärts, im Renntempo. Jeder wollte der Erste sein, da gab es viele Stürze und Kollisionen, besonders in den Kurven.
Weniger lustig war einmal ein Einfall: wir rollten Steine in ein unterhalb des Schulweges liegendes Feld und schauten den hüpfenden Steinen nach. Allerdings auch der Bauer. Am nächsten Tag war er in der Schule und in einigen Sekunden wir am Feld um die Steine wieder heraufzutragen.

Hätten Sie noch weitere Vorschläge oder Wunschvorstellungen, wie man im Rahmen der Schule oder auch außerhalb (Nachmittagsbetreuung, Freizeitaktivitäten) die Natur wieder näher an unsere Kinder heranbringen könnte?

Es liegt ganz viel Verantwortung bei den Eltern. Die Kinderzimmer sind high-tech-rooms. In der virtuellen Welt spielen und leben sie. Vielleicht zu viel. Für jede Stunde vor dem Computer, Playstation oder TV-Gerät eine Stunde in der Natur.

Vielen Dank für das Gespräch.

Diesen Beitrag kommentieren ...

CAPTCHA *