Schutz – Erholung – Erziehung

Düfte – kostbares Geschenk der Natur, von Margit Benes-Oeller

Es ist für uns lebensnotwendig, möglichst rasch zu erfassen, ob etwas in der Luft liegt oder dicke Luft herrscht, ob etwas zum Himmel stinkt oder die Luft rein ist. Auch im Naturgarten ist es gut zu wissen, woher der Wind weht.

Düfte gehen weit über das hinaus, was Auge sehen und Hände fühlen können. Wo der „Atem des Himmels“ zu spüren ist, machen sich Gartenfreunde auf die Suche.

duft-von-margit-benes-oellerDI Margit Beneš-Oeller,
studierte Landschaftsplanung und -pflege an der Universität für Bodenkultur in Wien. Lange Zeit als freischaffende Landschaftsplanerin tätig, arbeitet sie seit über fünfzehn Jahren als Fachautorin bzw. Chefredateurin in Gartenmedien und mitterweile hauptberuflich für die Aktion „Natur im Garten“. Am Stadtrand von Wien liegt ihr Garten, in dem auch Düfte nicht fehlen dürfen.
Konakt: Tel. +43 (2742) 222633-25 Mob. +43 (676) 848 790 606 E-Mail. margit.benes-oeller@naturimgarten.at Web. www.naturimgarten.at

Oft ist das Ausmachen von Duftquellen für Spürnasen eine echte Herausforderung und dann eine Überraschung. Obwohl die Nase mitunter ein sehr auffälliges Organ ist, wird ihre Bedeutung häufig unterschätzt. Was sie leistet, mag vielleicht wenig vordergründig sein, leben wir doch zumeist in einer „Sehwelt“.

Persönlichkeiten

Viele Dinge, die einem wichtig sind, sind mit angenehmen Düften verbunden. Wohlgerüche und Unangenehmes liegen nah beisammen und unterliegen einer persönlichen Bewertung. Wir gehen mit unserer Nase um, wie man es uns vererbt und beigebracht hat und doch erfahren wir immer wieder etwas Neues. Nicht alle Einzelheiten der Geruchswelt zu kennen, ist kein Fehler. Denn damit bleiben die Düfte, die uns begegnen, stets von einer gewissen Fazination behaftet.

Der Duft nach Pinienharz weckt so Assoziationen mit dem Urlaub am Mittelmeer, Ringelblumenduft ruft Erinnerungen an einen kindlichen Blumenstrauß ins Gedächtnis. Frisches Brot oder Veilchenseife mit einem Hauch Mottenkugel (eine Nase voll aus Omas Wäscheschrank), frisch gemähtes Gras, eine Fliederbrise oder ein warmer, dampfender Tag nach dem Mairegen: Viel Düfte…

…ergreifen uns im positiven Sinn, sind beruhigend, anregend oder erfrischend. Sie machen wunschlos glücklich und lassen angenehme Erlebnisse wieder auferstehen. Manchmal wirken sie aber auch aufdringlich, stoßen ab oder erinnern gar an Unangenehmes. Und was für den einen unwiderstehlich ist, ist für den anderen schon zuviel des Guten.

Durfterlebnisse bleiben ein Leben lang. „Niemals wird man einen Geruch intensiver empfinden als am Anfang des Lebens“, findet auch der französische Parfumdesigner Serge Lutens. Sinnliche Naturerfahrung ist ein wichtiger Punkt auf dem Weg zum Erwaschsenwerden. Wer in seiner Kindheit keine Düfte erleben darf, ist nicht nur um eine Erfahrung ärmer. Er wurde auch um eine wichtige Anregung des Limbischen Systems gebracht, dem ältesten, für Gefühle zuständigen Teil des Gehirns.

Wie ein Kind auf Entdeckungsreise, so kann man sich fühlen, wenn man die Sinne wieder für kleine Sensationen öffnet. Mit duftenden Blüten und Blättern entführen uns Natur und Garten in eine neue Welt.

Duftende Gartenräume

kräuter-von-margit-benes-oellerWo immer es im Garten abgeschirmte Bereiche gibt, sammelt sich Duft und es entstehen lauschige Aufenthaltsorte. Gerade an Wärme speichernden, Wind geschützten Mauern und Hecken können sich die Düfte gut entwickeln und verflüchtigen sich nicht zu schnell. In der Rosen- oder Geißblattlaube wird der Nachmittagskaffee erst zum richtigen Genuss oder wenn aus dem Halbschatten vanilleartiger Mädesüß-Duft herüber weht. Im sonnigen Kräutergarten hingegen verströmen zitroniger Diptam und Lavendel angenehm inspirierende Buketts.

Gerüche der angenehmen Art sind die eigentlichen Düfte. Sie werden von Pflanzen durch ätherische Öle, Balsame, Harze und andere aromawirksame Stoffe freigesetzt. Zu den Duftpflanzen zählen Flechten, Sommerblumen, Stauden und Gehölze, die selbstständig über Blätter, Stängel, Früchte, Samen, Wurzeln, Nadeln, Hölzer oder Harze einen Wohlgeruch für uns Menschen ausströmen.

Während Düfte über den Geruchssinn wahrgenommen werden, ist beim Aroma auch der Geschmacksinn beteiligt. Aromapflanzen, das sind jene, deren Geruch sich erst entwickelt, wenn Blattorgande, Rinden, Zweige oder Wurzeln zerbrochen und zerrieben werden und dadurch die Inhaltstoffe frei werden. Viele aromatische Stoffe werden auch erst beim Kauen und durch die Wärme der Mundhöhle freigesetzt und tragen über die Rachen-Nasen-Verbindung zur Geschmacksempfindung bei. All unsere Küchenfräuter zählen zu dieser Gruppe.

Im Vorübergehen mit Duft belohnt werden wie von sogenannten Kontaktduftern oder Blattduftern, die man am Wegesrand streift. Sie gehen ihre Duftstoffe erst durch Berührung frei. So kommt neben dem Sehen, Riechen und Schmecken dann der Tastsinn zum Einsatz.

Erlebniswelt Garten

Die Vielfalt der Pflanzen mit ihren Formen und Farben ist grenzenlos. Das Bild, das der Garten vermittelt, beschränkt sich nicht auf drei Dimensionen. Schon mit wenigen aufeinander abgestimmten Pflanzen kann das grüne Reich um eine weitere Dimension ergänzt werden: um die der Düfte und Aromen. In eine Gestaltung, die Geborgenheit vermittelt, lässt man sich entspannt fallen. Gärten machen dadurch frei und Stressgeplagte finden an solchen Orten leicht zu sich selbst. Schon die alten Perser nannten schöne Gärten „peiradeza“, das Paradies.

Und was wäre ein Paradies ohne Düfte?

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