Schutz – Erholung – Erziehung

Der Wald – unser Erbe, unsere Zukunft, von Elisabeth Johann

Jedes Wesen der Natur entwickelt sich nach Gesetzen, die aber nicht immer ausreichend erkennbar sind. So entstand der Wald nach den Gesetzen der Natur, nach den Einflüssen der natürlichen Faktoren, nach den vielfältigen Wechselbeziehungen im Rahmen des Waldgefüges.

Johann Elisabeth, DIPL. FORSTWIRT, DR.  RER.  NAT.
Praktische Forstwirtin und Waldpädagogoin, Spezialgebiet Forschung und Lehre im Bereich Forst- und Umweltgeschichte, Gastvorlesungen an den Universitäten Freiburg, Göttingen und Wien. Zahlreiche Publikationen zur Wald- und Forstgeschichtte (u.a. „Wald und Mensch. Die nationalparkregion Hohe Tauern (( Kärnten))“ 2004); Leitung des Fachausschusses Forstgeschichte im Österreichischen Forstverein. Entwicklung und Umsetzung von Konzepten für Ausstellungen und Dokumentationen auf dem Gebiet der Forst- und Umweltbeschichte (2006 Bürgeralpe Mariazell, 2007 FAO Rom).

Seit Jahrtausenden wird der mitteleuropäische Wald mehr oder weniger stark von Menschen genutzt und hat in der Entwicklung unserer Kultur eine entscheidende Rolle gespielt.  Er war sowohl Siedlungsraum und Landreserve als auch Nahrungs-, Energie- und Rohstoffquelle. Anfänglich herrschte auch im Wirtschaftswald ein wohlausgewogenes Gleichgewicht zwischen den natürlichen Ressourcen und den menschlichen Bedürfnissen. Aus dem ursprünglichen Wald, dem Urwald im eigentlichen Sinn, wurde durch die wiederholten Eingriffe des Menschen ein Waldgefüge, das dauernd unter dem Dualismus der Gesetzmäßigkeiten der Natur einerseits und der willkürlichen, wenn auch zweckgebundenen menschlichen Einwirkung anderseits, steht. Die menschlichen Einwirkungen auf den Wald waren im Laufe der Jahrhunderte örtlich nach Vorgang, Intensität, Zeitpunkt und Dauer verschieden. Die Art der Behandlung des Waldes aber veränderte mit der Zeit den ursprünglichen Charakter der Landschaft. Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Wald für das Überleben der Menschen unentbehrlich.

Betrachte man die Beziehung Wald – Mensch im Lauf der Geschichte, so fällt auf, dass sich bereits in der frühen Neuzeit in Mitteleuropa ein besonderes Waldbewusstsein entwickelte und Anstrengungen unternommen wurden den Wald zu schützen. Obwohl eine nachhaltige Nutzung der Natur eine Selbstverständlichkeit sein müsste, waren schon  immer gesetzliche Normen zum Schutz des Waldes vor dem Menschen und für den Menschen notwendig. Sollten Waldteile besonders geschont werden, so wurden sie schon im Mittelalter auf eine bestimmte Zeit in Bann gelegt. Auch verschiedene Dorfordnungen aus dieser Zeit kümmerten sich schon um die nachhaltige Erhaltung der Ressource Wald zum wohle der ganzen Gemeinschaft, indem jedes Jahr nur eine von der geplanten Umtriebszeit abhängige prozentuale Fläche des Gemeinschaftswaldes zur Nutzung freigeben wurde. Das Konzept der Nachhaltigkeit wurde erstmals in Deutschland diskutiert, das Wort selbst „nachhaltig“ geht auf den Bergmann Hans Carl v. Carlowitz zurück, der es bereits 1713 verwendete. Das Prinzip der Nachhaltigkeit in seiner für die Forstwirtschaft – unabhängig von der jeweiligen zeitlich bestimmten Ausprägung – allgemeinen und zeitlosen Gültigkeit aber fasste G.L. Hartig bereist vor rund zweihundert Jahren in seiner Forderung zusammen, „es seien die Wälder doch so zu benuzten, dass die Nachkommenschaft wenigstens ebenso viel Vorteile aus den Wäldern ziehen kann, als sich die lebende Generation zueignet“.

Bei der Frage, welcher Wald erhalten werden soll, stößt man auf Grundkonflikte, in der Vergangenheit wie in der Gegenwort. Besteht der Wald nur aus Bäumen oder lebt er auch durch das Wild? Dient er nur zur Erzeugung von Holz oder auch zur Ernährung der ländlichen Bevölkerung? Soll er um seiner selbst willen geschützt werden, u.a. zur Bewahrung der Bodenfruchtbarkeit und einer hohen Biodiversität; oder hat er vorwiegend der urbanen Bevölkerung als Freizeit- und Erholungsraum zu dienen? Besteht die Idealnatur wirklich immer und überall aus Wald? Jede Kulturlandschaft ist durch menschliches Wirtschaften belastet und die Belastung nimmt mit der Zahl der Menschen pro Flächeneinheit sowie mit der Veränderung des Landschaftscharakters vom natürlichen Zustand weg zu.

In Österreich ist die Natur seit vielen Jahrhunderten schon kultiviert, vom Menschen für den Menschen zubereitet, zum Lebensunterhalt genutzt, aber nicht so beeinflusst, dass sie ihren Reiz eingebüßt hätte. Es ist eine wichtige Aufgabe unserer Zeit, für Menschen in Verdichtungsräumen wieder eine naturnähere Umwelt zu schaffen. Im Interesse der Erhaltung natürlicher Landschaften begann man bereits im 19. Jahrhundert von Menschen weitgehend unbeieinflusste Waldgebiete und solche, die im Aussterben begriffene Pflanzenarten enthielten, auszuscheinden und unter Schutz zu stellen. Mit der Errichtung von Schutzgebeiten kann allerdings der Anschein erweckt werden, die Natur würde als natur erhalten. Dies kann leicht zu der Meinung führen, dass man auf die restliche Landschaft keine Rücksicht mehr zu nehmen braucht. Täglich verlieren Landwirtschaft und Natur in Österreich 15 Hektat Boden, ehemaliges Grün- oder Ackerland wird zu Siedlungs-, Industrei- oder Verkehrszwecken umgewidmet. Das haben Wissenschafter des Departments für Raum, Landschaft und Infrastruktue der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien im Rahmen einer von der Österreichischen Hagelversicherung im Auftrag gegebenen Studie 2008 errechnet. Während Wälder deutlich besser geschützt sind, gehen wir mit der Umwidmung von landwirtschaftlichen Flächen sehr sorglos um.

Eine der größten Gefahren unserer Zeit und Ursache vieler Zivilisationsschäden ist die völlige Naturentfremdung der urbanen Gesellschaften. Es ist daher wichtig, die Seele der Landschaft zu erfahren. Damit ist gemeint, die Natur bewusster wahrnehmen zu lernen und ihr eine Haltung von Achtung und Staunen, vielleicht auch von Liebe entgegenzubringen. In diesem Sinn erfüllen Naturgärten eine ganze Reihe wichtiger ökologischer Funktionen: Sie bieten nicht nur einen Erholungsraum im Freien, sondern können regional einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der pflanzlichen, tierischen und kulturellen Vielfalt leisten. Ein Naturgarten ist wie geschaffen dafür, Kinder und Erwachsene in seinen Bann zu ziehen und sie die Faszination der Natur erleben zu lassen. Bildung und Kommunikation können dabei einen wesentlichen Beitrag zum Wandel in Richtung einer nachhaltigen und gerechten Gesellschaft leisten.

Diesen  Beitrag entnahm ich aus dem Buch „Das Herz von Kärnten – Vom Steinbruch zur Naturgartenvision“ und wurde von der Autorin auch für dieses Blog freigegeben.

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