Schutz – Erholung – Erziehung

Der Naturgarten lebt gute Nachbarschaft, von Hildegard Enzinger

– gute Nachbarschaft lebt wie ein Naturgarten!?

„Der Naturgarten: Schutz – Erholung – Erziehung“
so steht´s in der Kurzbeschreibung auf der Webseite.

Das hat meine Gehirnwindungen angeregt, mich Parallelen zum Projekt „Nachbarschaft in Viktring“ sehen und intuitiv ein Schlagwort „ersetzen“ lassen – aus Erholung wurde Lebensraum…

BAUSTELLE-Hildegard-EnzingerDr. Hildegard Enzinger
Ich lebe seit inzwischen über 30 Jahren mit meinem Partner in Viktring, habe an der Universität in der LehrerInnenausbildung gearbeitet, bin diplomiert in Themenzentrierter Interaktion (TZI) und kann mich seit meiner Pensionierung endlich vermehrt mit meiner unmittelbaren räumlichen und sozialen Umgebung auseinander- und mich auch für sie einsetzen.
Adresse: enzinger.hildegard@aon.at

Über diese Nachbarschaftsinitiative, die jetzt seit gut zwei Jahren besteht, bin ich auf viele interessante Menschen und Initiativen gestoßen, z.B. auf Albert Spitzer und sein Naturgartenprinzip. Er war bei jenem Nachbarschaftstreffen, wo Alexandra Liehmann den Ebentaler Gemeinschaftgarten vorgestellt hat. So lernte ich ihn kennen und kam jetzt im Sommer 2012 endlich dazu, dem „Pferdehof-Tiffany“ in Seebach, wo Albert werkt, einen Besuch abzustatten und mit ihm auszutauschen, was ihn bewegt, antreibt, beflügelt.

Gefunkt hat es bei mir, wie er von seiner Naturgarten-Idee gesprochen hat, von einem Prinzip, das dahintersteht: es ist im Grunde dasselbe Prinzip -aber eben vom menschlichen Zusammenleben her gesehen, das mich beim Nachbarschaftsgedanken leitet:

Einen Lebensraum zu verwirklichen, in dem die Bewohnerinnen und Bewohner so etwas wie Heimat erleben (= Geborgenheit, Schutz) und sich die Chance geben voneinander zu lernen, d.h. sich persönlich und sozial weiterzuentwickeln (=Erziehen im Naturgarten für ein funktionierendes Miteinander = als Dorf-Gemeinschaft, im städtischen Bereich „Quartier“/Viertel genannt, vgl. Folder zu Nachbarschaft, bei mir erhältlich).

So wenig wie im hier vorgestellten Naturgarten von vorherein eine, einer oder ein paar „wissen“, wie er aussehen wird, wenn man bereit ist den Pflanzen ihren Raum zu geben, so wenig ist das im Sozialen möglich. Was aber möglich ist, ist die Chance einander Lebensraum zu bieten durch Interesse für bzw. an einander, durch Akzeptieren und Anerkennen unterschiedlicher Lebensformen, Vorlieben, Abneigungen.

Und hier kommt zum Tragen, was im Naturgarten Erziehung heißt – ein für uns leider negativ besetzter Begriff.

So wie im Naturgarten jemand darauf schaut, dass nicht durch unbeschränktes Wachstum der einen Pflanze eine oder mehrere andere erstickt werden (indem man sie zeitweise zurückschneidet oder für Platz sorgt, wo sie sich besser entfalten können), so ist ein Regulativ auch im Sozialen nötig:

Wir Menschen können das über Kommunikation ermöglichen: Handeln, etwas tun, eine Aktion setzen und uns gegenseitig mitteilen, wie es ankommt, was es auslöst, und mit neuerlichem Tun darauf „antworten“ (sprachlich oder praktisch). Übrigens: eine gute Gärtnerin tut das auch, nur erfolgt die Unterhaltung nicht sprachlich.

Der Begriff Erziehung passt uns dabei nicht, weil wir es von unseren Schulerfahrungen damit gleichsetzen, dass einer weiß, wie es zu sein hat, und die Mitteilung dann darin besteht, ob „richtig“ oder „falsch“ gehandelt wurde. Das würde einem Gärtner entsprechen, der eine enge Vorstellung hat, wie sein Garten auszusehen hat, und alles, was dem nicht entspricht, als „Unkraut“ behandelt.

Enzinger-Hildegard-Naturgarten-NachbarschaftWenn wir uns aber dem hier definierten Naturgartenprinzip entsprechend verhalten, interessieren wir uns dafür, was die anderen Menschen machen, stellen es in Beziehung zur dem, was wir uns vorstellen, und bei Differenzen klären wir ab, wie Lebensraum für beide gewahrt bleibt (siehe Kasten).

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